”Das Ende der großen Erzählungen” -
Jean François Lyotards Diagnose über das postmoderne Zeitalter

Der französische Philosoph Jean François Lyotard veröffentliche vor zwanzig Jahren das Buch La condition postmoderne (Das postmoderne Wissen), in dem er das Wissen der höchstentwickelten Gesellschaften analysierte. Sein Fazit: Früher wurde wissenschaftliches und philosophisches Wissen stets im Rahmen von großen Erzählungen vorgetragen wie die des Fortschritts, der Emanzipation des Menschen, des Buchs der Natur oder der Einheit eines weltumspannenden Sinns. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts haben alle diese großen Erzählungen an Boden verloren. Heute triumphiert der Dissens über den Konsens, und das sei gut so. Das Einzelne werde nicht mehr vom Allgemeinen terrorisiert. Erst mit dem ‘Ende der großen Erzählungen’ werde Pluralität verwirklicht.

Eine beunruhigende These? Ist sie heute überholt? Können wir uns angesichts der ökologischen Katastrophen und der Überbevölkerung eine Zersplitterung, ja Atomisierung des Sinns leisten?