Das Philosophische Forum

Seit zwei Jahrzehnten Jahren erlebt die Philosophie eine beeindruckende Renaissance. Elfenbeinturm - das war einmal. Allerorten sind neue Formen philosophischer Diskussion entstanden: in den Medien, in therapeutischen Praxen, in philosophischen Cafés und auf philosophischen Reisen. Der Buchmarkt boomt mit intelligenten, witzigen und experimentellen Publikationen, von Einführungen in die klassischen Fragestellungen bis hin zu interdisziplinären Brückenschlägen. Selbst an den Universitäten hat ein umgänglicherer Tonfall Einzug gehalten, und an den öffentlichen Debatten zu aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen beteiligen sich überdurchschnittlich viele Philosophen. Kein Zweifel: die Philosophie ist zurück auf der gesellschaftlichen Bühne.

Diese überaus positive Entwicklung hat viele Gründe. Der vielleicht wichtigste liegt im Modernisierungsstress einer globalisierten Welt, in der alles Althergebrachte in die unerbittlichen Malsteine der Zeit geraten. Für die Philosophie liegt darin eine große Chance. Denn ihre Blütezeiten waren stets Krisenzeiten gewesen. Es ist die Nachfrage nach Sinn und Orientierung, aus der die Philosophie ihre Daseinsberechtigung bezieht.

Als ich 1997 das Philosophische Forum gründete, waren mir diese Zusammenhänge allenfalls theoretisch klar. Heute - nach vielen Hunderten philosophischer Cafés und über 150 philosophischen Reisen in Europa und Asien - höre ich darin auch die existenzielle Musik des menschlichen Wollens und Strebens. Von Jahr zu Jahr höre ich sie deutlicher heraus in allen intellektuellen Themen, das verdanke ich vor allem den vielen Anregungen, die ich  aus aus den Diskussionen mit den Teilnehmern meiner Veranstaltungen gewinnen konnte. Im Geben und im Nehmen entsteht ein Entwicklungsprozess, in dessen Verlauf ich immer geräumigere kulturphilosophische Landschaften überblicke. Andere dabei mitzunehmen - darin besteht mein Selbstverständnis als philosophischer Praktiker.

Die Philosophie geht die langen Wege, und jeder, der Lust an der Vielfalt des Lebens hat, ist eingeladen, sie mitzugehen. Das Philosophische Forum verfolgt dabei einen sehr weiten Begriff von Philosophie. In ihm hat vieles Platz, weil der menschliche Intellekt so vielstimmig ist:

  • der klassische autorenorientierte Kanon von Sokrates bis Habermas
  • thematische Perspektiven anhand einzelner Themen wie Zeit, Natur, Gefühle, Ethik etc., mit denen sich die Kulturgeschichte auf neue und ungewohnte Weise erzählen lässt
  • die produktive Berührung der Philosophie mit der Kunst
  • der Dialog mit den Naturwissenschaften
  • die östliche Philosophie von Buddhismus und Hinduismus
  • der interkulturelle und interreligiöse Dialog

Ich verstehe unter Philosophie den großen Dialog des Menschen mit sich und seiner Welt. Er kommt aus der Vergangenheit und fließt durch uns hindurch in eine Zukunft, die wir als Individuen nicht mehr erleben werden, als Menschheit aber doch. Was uns als Philosophierende Sinn gibt, das sind nicht so sehr die Antworten, nach denen wir suchen für unsere Probleme, sondern es ist das unaussprechliche Vergnügen, dem Strom des intellektuellen Lebens anzugehören. Deswegen hat das Esoterische keinen Platz im Philosophieren - es sei denn als ein Kulturphänomen, das Thema werden kann, nicht aber als eine Methode des Denkens. 

Philosophisches Forum

 
 

Peter Vollbrecht