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HansGünterClaus

 

Aus der Welt der Gefühle (10):
Vertrauen

 

 

Rainer Maria Rilke:
Urvertrauen

Wenn ich die Kunst als eine Lebensanschauung bezeichne, meine ich damit nichts Ersonnenes. Lebensanschauung will hier aufgefaßt sein in dem Sinne: Art zu sein. Also kein Sich-Beherrschen und - Beschränken um bestimmter Zwecke willen, sondern ein sorgloses Sich-Loslassen, im Vertrauen auf ein sicheres Ziel. Keine Vorsicht, sondern eine weise Blindheit, die ohne Furcht einem geliebten Führer folgt. Kein Erwerben eines stillen, langsam wachsenden Besitzes, sondern ein fortwährendes Vergeuden aller wandelbaren Werte. Man erkennt: diese Art zu sein hat etwas Naives und Unwillkürliches und ähnelt jener Zeit des Unbewußten an, deren bestes Merkmal ein freudiges Vertrauen ist: der Kindheit. Die Kindheit ist das Reich der großen Gerechtigkeit und der tiefen Liebe. Kein Ding ist wichtiger als ein anderes in den Händen des Kindes. Es spielt mit einer goldenen Brosche oder mit einer weißen Wiesenblume. Es wird in der Ermüdung beide gleich achtlos fallen lassen und vergessen, wie beide ihm gleich glänzend schienen in dem Lichte seiner Freude. Es hat nicht die Angst des Verlustes. Die Welt ist ihm noch die schöne Schale, darin nichts verloren geht. Und es empfindet als sein Eigentum Alles, was es einmal gesehen, gefühlt oder gehört hat. Alles, was ihm einmal begegnet ist. Er zwingt die Dinge nicht, sich anzusiedeln. Eine Schar dunkler Nomaden wandern sie durch seine heiligen Hände wie durch ein Triumphtor. Werden eine Weile licht in seiner Liebe und verdämmern wieder dahinter; aber sie müssen Alle durch diese Liebe durch. Und was einmal in der Liebe aufleuchtete, das bleibt darin im Bilde und läßt sich nie mehr verlieren. Und das Bild ist Besitz. Darum sind Kinder so reich.

Gertrud Höhler (2003):
Urvertrauen

Urvertrauen: Gibt es das, und wann fängt es an? Erikson und andere Forscher sagen: Mit dem Anfang des Lebens beginnt die Vertrauensgeschichte des Menschen an. Ob er Vertrauen geben und nehmen kann, das entscheidet sich ganz früh, noch ehe das, was der Säugling an Verlässlichkeit und Zuwendung erlebt, »Vertrauen« genannt werden kann. »Urvertrauen« meint diese Mischung aus vorbewussten Erfahrungen, Bedürfniserfüllung und Behagen, die mit allen Sinnen aufgenommen wird: tastend und saugend, zwischen vertrauten Düften und wohltuenden Berührungen, Beschwichtigung des Unbehagens durch Stimmen und Hände und wärmende Nähe im Rhythmus des mütterlichen Atems, so wie vorher in der Geborgenheit ganz nahe am Herzschlag der werdenden Mutter.

Urvertrauen, sagt Erikson, entwickelt sich beim Säugling, wenn er bekommt, was er braucht – dazu gehört auch das scheinbar zweckfreie Wiegen und Schaukeln, die Wiederkehr von Stimmen, die das Kind kennt, und das Gleichmaß der Wiederholungen, die Sicherheit schenken und Angst nicht zulassen.

Der Säugling erlebt die Betreuerin als Teil seiner selbst. Mit dem Grundvertrauen zu den immer wieder auftauchenden Gesichtern, den streichelnden Händen, dem regelmäßigen Genuss süßer Milch entwickelt sich die früheste Form von Ich-Stärke. Eingebettet in die verlässlichen Abläufe seines eben begonnenen Lebens, kann das Kind nicht unterscheiden zwischen Fremd- und Selbstvertrauen. Wer verlässlich gehegt und betreut wird, lernt, sich wertvoll zu fühlen; das ist die Knospe des späteren Selbstvertrauens.

»Die früheste Verhaltensweise ist das Nehmen«, sagt Erikson, »nicht im Sinne des Sich-Beschaffens«, sondern weil gegeben wird und das Kind das Gegebene »annimmt«. Am Lebensanfang also nehmen wir entgegen, ohne erzwingen zu können, was wir brauchen. Wir erfahren, dass wir bekommen, was wir brauchen. Erlebt der kleine Säugling immer wieder, dass ihm nicht gegeben wird, was er braucht, so wird er ängstlich und unsicher. Unsicher auch über sich selbst, weil ja die einzige Quelle seines Ichgefühls die mächtigen anderen sind, von denen er abhängt. Die Folgen solcher Verlassenheitserlebnisse reichen bis ins Erwachsenenalter. Was die Forscher »Urmisstrauen« nennen, beruht auf Verletzungen des ganz frühen Urvertrauens im ersten Lebensjahr. Es bedarf großer therapeutischer Geduld, um Menschen aus dieser Isolation zurückzuholen. Sie müssen verspätet lernen, ihrem therapeutischen Helfer, sich selbst und der Welt zu vertrauen.

Hans Küng (2003):
Gottvertrauen

Grundlegend für Abraham ist — folgen wir dem Buche Genesis — das Vertrauen auf Gott. Grundlegend ist der unbedingt vertrauende Glaube. Dieser Glaube, heißt es, wird Abraham „zur Gerechtigkeit angerechnet". Dabei wird Glaube in der ganzen Hebräischen Bibel nie als Annahme einer vorgelegten Wahrheit als ein „Für-wahr-Halten" von Unbeweisbarem verstanden, sondern als unerschütterliches Vertrauen auf eine menschlich nicht zu realisierende Verheißung, als Treue, als Zuversicht, als „Amen“-Sagen. Abraham ist demnach Ur- und Vorbild eines in diesem Sinne Glaubenden, ein Mann, der aufgrund dieses Glaubens dann auch die allergrößte Probe bestehen kann — das ihm zugemutete, aber eben von Gott letztlich doch nicht gewollte Opfer seines Sohnes.

Ein erfreuliches Fazit: Man hat nicht ohne Grund die drei Religionen, die sich auf ihn, Abraham, berufen und in denen der Mensch „vor“ Gott steht, sich ganz auf Gott verlässt und so „an“ Gott glaubt — im Gegensatz zu den mystischen Einheitsreligionen Indiens oder auch den Weisheitsreligionen Chinas — als Glaubensreligionen bezeichnet. Abraham erscheint so als der gemeinsame Stammvater aller drei großen Religionen semitischen Ursprungs, die man deshalb auch die drei abrahamischen Religionen nennt. Sie können als ein großes religiöses Stromsystem nahöstlichen Ursprungs verstanden werden, das sich von den Systemen indischen oder fernöstlichen Ursprungs wesentlich unterscheidet.

Luc Ferry:
Das Vertrauen eines Christenmenschen

Tatsächlich erfolgt für die Christen der Zugang zur Wahrheit nicht mehr, jedenfalls nicht mehr als Allererstes wie für die griechischen Philosophen, über die Ausübung einer menschlichen Vernunft, welche die rationale, »logische« Ordnung des Weltganzen zu erfassen imstande ist, da sie selbst ein wichtiger Teil davon ist. Was es erlaubt, sich dem Göttlichen anzunähern, es zu erkennen und sogar zu betrachten, gehört ab jetzt einer ganz anderen Ordnung an. Fortan kommt es nicht mehr in erster Linie auf den Verstand an, sondern auf das Vertrauen, das wir in die Worte eines Menschen, des Gottmenschen, in die Worte Christi setzen, der behauptet, der Sohn Gottes zu sein, der Fleisch gewordene logos. Man wird ihm vertrauen, da er glaubwürdig ist — und auch die von ihm vollbrachten Wunder tragen ihren Teil zu dieser Glaubensbereitschaft bei.

Ruf dir noch einmal in Erinnerung, dass Vertrauen ursprünglich auch »Glaube« bedeutete. Das angemessene theoretische Werkzeug, um Gott zu betrachten, ist der Glaube, nicht die Vernunft, und somit muss man dem Wort Christi, das die »Frohe Botschaft« verkündet, seinen ganzen Glauben schenken: die Botschaft, dass wir durch ebendiesen Glauben gerettet werden und nicht durch unsere eigenen »Werke«, das heißt, unsere allzu menschlichen Taten, mögen sie auch noch so bewundernswert sein. Es geht nicht mehr so sehr darum, durch sich selbst zu denken, als auf einen anderen zu vertrauen. Und hier liegt wahrscheinlich der größte und bedeutsamste Unterschied zwischen Philosophie und Religion.

Franz Kafka (1883-1924):
Aus den „Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg

Der Mensch kann nicht leben ohne ein dauerndes Vertrauen zu etwas Unzerstörbarem in sich, wobei sowohl das Unzerstörbare als auch das Vertrauen ihm dauernd verborgen bleiben können. Eine der Ausdrucksmöglichkeiten dieses Verborgenbleibens ist der Glaube an einen persönlichen Gott.

Aristoteles (384-322 v. Chr.):
Vertrauen und Freundschaft

Man kann nicht früher Gefallen an einander finden oder befreundet sein, bevor jeder vom Werte des andern völlig überzeugt ist und sein volles Vertrauen erlangt hat. Diejenigen, die schnell ein freundschaftliches Verhältnis zueinander eingehen, möchten gern Freunde sein; sie sind es aber nicht, wenn sie nicht zugleich liebenswert sind und dies auch einer vom andern wissen. Denn der Wunsch, Freundschaft zu schließen, stellt sich schnell ein, die Freundschaft nicht. […]

Um sinnlicher Befriedigung und um des Vorteils willen können auch geringwertige Menschen miteinander befreundet sein, ebenso treffliche mit geringwertigen, und solche, die keines von beiden sind mit Menschen von beliebiger Beschaffenheit; dagegen sind offenbar bloß die edlen Naturen schon durch ihre Persönlichkeit Freunde. Denn schlechte Menschen haben aneinander keine Freude, wo nicht ein Nutzen dabei herauskommt. Auch gegen Klatsch und Verhetzung ist nur die Freundschaft zwischen Edelgesinnten geschützt; denn nicht leicht glaubt man irgendeinem dritten, wo man selbst in langer Zeit jemand bewährt gefunden hat. Bei ihnen herrscht das gegenseitige Vertrauen, die Gewißheit, daß keiner dem andern Unrecht tun wird, und alles sonst, was als Kennzeichen wahrer Freundschaft gewürdigt wird. Dagegen hindert in anderen Freundschaftsverhältnissen nichts, daß sie auf diesem Wege auseinander gebracht werden. Denn wenn die Menschen von Freundschaft auch da reden, wo es nur den Vorteil gilt, wie bei den Staaten, denn die Bündnisse zwischen Staaten werden augenscheinlich nur um des Vorteils willen geschlossen, und da, wo man sich um des Vergnügens willen gern hat, wie die Kinder, so werden dementsprechend auch wir von Freundschaft in solchen Verhältnissen sprechen dürfen und dann mehrere Arten von Freundschaft annehmen müssen. In erster Reihe und in eigentlichem Sinne werden wir Freundschaft nennen diejenige, die zwischen Edelgesinnten als solchen besteht, und nur in analogem Sinne werden wir auch die anderen Verhältnisse mit diesem Namen bezeichnen.

Friedrich Schiller:
Die Bürgschaft

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich

Damon, den Dolch im Gewande;

Ihn schlugen die Häscher in Bande.

«Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!»

Entgegnet ihm finster der Wüterich.

«Die Stadt vom Tyrannen befreien!»

«Das sollst du am Kreuze bereuen.»

 

«Ich bin», spricht jener, «zu sterben bereit

Und bitte nicht um mein Leben,

Doch willst du Gnade mir geben,

Ich flehe dich um drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,

Ich lasse den Freund dir als Bürgen,

Ihn magst du, entrinn ich, erwürgen.»

 

Da lächelt der König mit arger List

Und spricht nach kurzem Bedenken:

«Drei Tage will ich dir schenken.

Doch wisse! Wenn sie verstrichen, die Frist,

Eh du zurück mir gegeben bist,

So muß er statt deiner erblassen,

Doch dir ist die Strafe erlassen.»

 

Und er kommt zum Freunde: «Der König gebeut,

Daß ich am Kreuz mit dem Leben

Bezahle das frevelnde Streben,

Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,

So bleib du dem König zum Pfande,

Bis ich komme, zu lösen die Bande.»

 

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund

Und liefert sich aus dem Tyrannen,

Der andere ziehet von dannen.

Und ehe das dritte Morgenrot scheint,

            Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,

Eilt heim mit sorgender Seele,

Damit er die Frist nicht verfehle.

 

Da gießt unendlicher Regen herab,

Von den Bergen stürzen die Quellen,

Und die Bäche, die Ströme schwellen.

Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,

Da reißet die Brücke der Strudel hinab,

Und donnernd sprengen die Wogen

Des Gewölbes krachenden Bogen.

 

Und trostlos irrt er an Ufers Rand,

Wie weit er auch spähet und blicket

Und die Stimme, die rufende, schicket,

Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,

Der ihn setze an das gewünschte Land,

Kein Schiffer lenket die Fähre,

Und der wilde Strom wird zum Meere.

 

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,

Die Hände zum Zeus erhoben:

«O hemme des Stromes Toben!

Es eilen die Stunden, im Mittag steht

Die Sonne, und wenn sie niedergeht

Und ich kann die Stadt nicht erreichen,

So muß der Freund mir erbleichen.»

 

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut

Und Welle auf Welle zerrinnet,

Und Stunde an Stunde entrinnet.

Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut

Und wirft sich hinein in die brausende Flut

Und teilt mit gewaltigen Armen

Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

 

Und gewinnt das Ufer und eilet fort

Und danket dem rettenden Gotte,

Da stürzet die raubende Rotte

Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,

Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord

Und hemmet des Wanderers Eile

Mit drohend geschwungener Keule.

 

«Was wollt ihr?» ruft er, für Schrecken bleich,

«Ich habe nichts als mein Leben,

Das muß ich dem Könige geben!»

Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:

«Um des Freundes willen erbarmet euch!»

Und drei mit gewaltigen Streichen

Erlegt er, die andern entweichen.

 

Und die Sonne versendet glühenden Brand,

Und von der unendlichen Mühe

Ermattet sinken die Kniee.

«O hast du mich gnädig aus Räubershand,

Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land, Und soll hier verschmachtend verderben,

Und der Freund mir, der liebende, sterben!»

 

Und horch! da sprudelt es silberhell,

Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,

Und stille hält er, zu lauschen,

Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,

Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell, Und freudig bückt er sich nieder

Und erfrischet die brennenden Glieder.

 

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün

Und malt auf den glänzenden Matten

Der Bäume gigantische Schatten;

Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,

Will eilenden Laufes vorüberfliehn,

Da hört er die Worte sie sagen:

«Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.»

 

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,

Ihn jagen der Sorge Qualen,

Da schimmern in Abendrots Strahlen

Von ferne die Zinnen von Syrakus,

Und entgegen kommt ihm Philostratus,

Des Hauses redlicher Hüter,

Der erkennet entsetzt den Gebieter:

 

«Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,

So rette das eigene Leben!

Den Tod erleidet er eben.

Von Stunde zu Stunde gewartet' er

Mit hoffender Seele der Wiederkehr,

Ihm konnte den mutigen Glauben

Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.»

 

«Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht

Ein Retter willkommen erscheinen,

So soll mich der Tod ihm vereinen.

Des rühme der blutge Tyrann sich nicht,

            Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,

Er schlachte der Opfer zweie

Und glaube an Liebe und Treue.»

 

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor

Und sieht das Kreuz schon erhöhet,

Das die Menge gaffend umstehet,

An dem Seile schon zieht man den Freund empor, Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:

«Mich, Henker!» ruft er, «erwürget!

Da bin ich, für den er gebürget!»

 

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,

In den Armen liegen sich beide

Und weinen für Schmerzen und Freude.

Da sieht man kein Auge tränenleer,

Und zum Könige bringt man die Wundermär,

Der fühlt ein menschliches Rühren,

Läßt schnell vor den Thron sie führen.

 

Und blicket sie lange verwundert an.

Drauf spricht er: «Es ist euch gelungen,

Ihr habt das Herz mir bezwungen,

Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn,

So nehmet auch mich zum Genossen an,

Ich sei, gewährt mir die Bitte,

In eurem Bunde der Dritte.»

Immanuel Kant (1797):
Freundschaft und Vertrauen

Moralische Freundschaft ist das völlige Vertrauen zweier Personen in wechselseitiger Eröffnung ihrer geheimen Urteile und Empfindungen, so weit sie mit beiderseitiger Achtung gegen einander bestehen kann.

Der Mensch ist ein für die Gesellschaft bestimmtes (obzwar doch auch ungeselliges) Wesen, und in der Kultur des gesellschaftlichen Zustandes fühlt er mächtig das Bedürfnis, sich anderen zu eröffnen (selbst ohne etwas dabei zu beabsichtigen); andererseits aber auch durch die Furcht vor dem Mißbrauch, den andere von dieser Aufdeckung seiner Gedanken machen dürften, beengt und gewarnt sieht er sich genötigt, einen guten Teil seiner Urteile (vornehmlich über andere Menschen) in sich selbst zu verschließen. Er möchte sich gern darüber mit irgend jemand unterhalten, wie er über die Menschen, mit denen er umgeht, wie er über die Regierung, Religion u.s.w. denkt; aber er darf es nicht wagen: teils weil der andere, der sein Urteil behutsam zurückhält, davon zu seinem Schaden Gebrauch machen, teils, was die Eröffnung seiner ei- genen Fehler betrifft, der andere die seinigen verhehlen, und er so in der Achtung dieselbe einbüßen würde, wenn er sich ganz offenherzig gegen ihn darstellete.

Findet er also einen, der Verstand hat, bei dem er in Ansehung jener Gefahr gar nicht besorgt sein darf, sondern dem er sich mit völligem Vertrauen eröffnen kann, der überdem auch eine mit der seinigen übereinstimmende Art, die Dinge zu beurteilen, an sich hat, so kann er seinen Gedanken Luft machen; er ist mit seinen Gedanken nicht völlig allein, wie im Gefängnis, und genießt eine Freiheit, der er in dem großen Haufen entbehrt, wo er sich in sich selbst verschließen muß. Ein jeder Mensch hat Geheimnisse und darf sich nicht blindlings anderen anvertrauen; teils wegen der unedlen Denkungsart der meisten, davon einen ihm nachteiligen Gebrauch zu machen, teils wegen des Unverstandes mancher in der Beurteilung und Unterscheidung dessen, was sich nachsagen läßt, oder nicht (der Indiskretion), welche Eigenschaften zusammen in einem Subjekt anzutreffen selten ist; zumal da die engeste Freundschaft es verlangt, daß dieser verständige und vertraute Freund zugleich verbunden ist, ebendasselbe ihm anvertraute Geheimnis einem anderen, für eben so zuverlässig gehaltenen, ohne des ersteren ausdrückliche Erlaubnis nicht mitzuteilen.

Thomas Straubhaar (2009)
Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Aus der amerikanischen Immobilienkrise ist erst eine globale Finanzmarktkrise, dann eine weltwirtschaftliche Rezession und nun eine allgemeine Vertrauenskrise geworden. Keiner traut dem andern. Gläubiger misstrauen den Schuldnern, Aktionäre ihren Vorständen, Banken anderen Kreditinstituten. Also wird Bargeld gehortet, entstehen Kreditengpässe und werden Aktien eher ver- als gekauft. Das alles trägt mit dazu bei, dass eine eigendynamisch verstärkte pessimistische Stimmung in Deutschland Oberhand gewinnt. Denn solange das Vertrauen fehlt, fehlt auch der Mut, neue Investitionen zu wagen, neue Kredite zu gewähren und sich offensiv den zweifelsfrei nicht einfachen aktuellen Herausforderungen einer Weltwirtschaft im Rückwärtsgang zu stellen. Die Angst vor schlechten Zeiten führt dann genau zu jenem Abschwung, vor dem man sich fürchtet.

Selbstredend ist das Vertrauen in die Effizienz von Märkten und vor allem in die Entscheidungsträger des Kreditgewerbes durch die Finanzmarktkrise seit Monaten mehr als nur angeschlagen. Zu offensichtlich ist zu oft bei zu vielen Anlegern, Aktionären und Vorständen der schnelle Gewinn zur moralischen Triebfeder geworden, hat kurzfristige Gier das Handeln bestimmt und ist auf der Strecke geblieben, was sich nur langfristig bezahlt macht. In der aktuellen Vertrauenskrise zeigt sich, wohin es führt, wenn in einer Gesellschaft Beliebigkeit, Schnelllebigkeit oder das Denken in Quartalsabschlüssen zur Regel werden. Das über viele Jahre aufgebaute Vertrauen in das freie Spiel der Marktkräfte und in die schöpferische, wenn auch zerstörerische Entdeckungskraft des Wettbewerbs ist für lange Zeit infrage gestellt worden. […]

Der Ruf nach strengeren Regeln für den Finanzmarkt ist verständlich und sicher auch richtig. Nichtsdestoweniger geht es nicht unbesehen um mehr, sondern um bessere Regeln. Denn Regeln haben ihren Preis. Er besteht darin, dass Regeln und Vertrauen in einem substitutiven Verhältnis stehen. Mehr Regeln lassen weniger Raum für gegenseitiges Vertrauen. Vertrauen ist und bleibt jedoch auch nach der Finanzmarktkrise das unverzichtbare Lebenselixier offener Gesellschaften und kapitalistischer Wirtschaftssysteme. Es ersetzt formale Gesetze. Je größer das gegenseitige Vertrauen, desto größer kann der rechtsfreie Raum sein. Eine Gesellschaft ohne Vertrauen muss alles und jedes regeln, sie muss alles und jedes kontrollieren, und sie wird deswegen früher oder später an den Kontrollkosten zugrunde gehen.

Niemand weiß das besser als jene, die in der Sowjetunion oder der DDR unter dem für totalitäre Regime typischen Kontrollwahn gelitten haben. Die Millionen von Stasi-Akten offenbaren, in welch absurdem Ausmaße alle allem misstrauten, alle alles überwachten und wie die Kontrolleure sich am Ende selber kontrollierten. Kontrolle ist das typische Kennzeichen diktatorischer Regime. Vertrauen ist das Wahrzeichen offener Gesellschaften. […]

Ein Mehr an Vertrauen bedeutet natürlich auch eine größere Versuchung, das Vertrauen zu missbrauchen, Es wird Betrüger und Spielverderber geben. Es wird moralisches Fehlverhalten, Gier und Bereicherung geben. Es wird zu Monopolen und Kartellen kommen. Weder noch strengere Gesetze oder noch schärfere Kontrollen können menschliche Makel oder einen Vertrauensmissbrauch verhindern. Sie können auch nicht ein tugendhaftes Verhalten erzwingen. Das menschliche Verhalten gleicht von Geburt an einem Wechselspiel von Neugier und Gier. […]

Zu Vertrauen gehört untrennbar Verantwortung. Das Vertrauen in die Handlungsfreiheit der Einzelnen erfordert zwingend eine Haftung für die Folgen des Handelns nach dem Verursacherprinzip. Strengere Regeln für den Finanzmarkt bedeuten somit eine strengere Durchsetzung des eisernen Gesetzes des Kapitalismus: Die Untrennbarkeit von Verantwortung und Haftung muss bestmöglich garantiert werden. Es gilt, zu verhindern, dass Konzerne so groß werden, dass sie „too big to fail" sind, ihr Untergang also auch viele andere, unbeteiligte Firmen zerstört, und im schlimmsten Fall das Land oder gar die Weltwirtschaft insgesamt mitgerissen werden. Größe tendiert immer zu Macht und Monopol zulasten von Kunden, Bürgern und, wie sich jetzt gezeigt hat, auch der Steuerzahler, wenn die Verluste von „systemgefährdenden“ Banken sozialisiert werden müssen, um einen allgemeinen Zusammenbruch der Finanzmärkte zu verhindern. Daran sollten sich alle erinnern, die jetzt bei der Commerzbank eine staatliche Beteiligung einfordern, um neben der Deutschen Bank eine zweite deutsche Großbank zu etablieren.

Bessere Regeln für die globalen Finanzmärkte sollten zuallererst darauf zielen, dass die bereits heute geltenden Regulierungen und Vorschriften für alle Kreditinstitute gleichermaßen zur Anwendung gelangen und von denselben Aufsichtsbehörden nach den gleichen Grundsätzen geprüft und sanktioniert werden. Zweitens darf es keine Entbindung der Haftung geben, wenn Kredite weitergereicht werden. Das würde zwar den Hebeleffekt der Kreditschöpfung, aber eben auch das Risiko verringern, dass mit (zu) wenig Eigenkapital (zu) viel Fremdkapital gestemmt wird. Drittens darf es keine Schattenhaushalte und -bilanzen mehr geben, in die spezielle Risikopapiere ausgelagert werden können. Viertens gehört zur Forderung nach mehr Transparenz auch eine Neuorganisation der Ratingagenturen. Es kann nicht länger sein, dass die Schiedsrichter von den Spielern finanziert werden, die sie kontrollieren sollen.

Ute Frevert (2003):
Vertrauen – eine Begriffsgeschichte

Vertrauen scheint etwas Zeitloses zu sein. Vom Vertrauen reden nicht erst wir, sondern Vertrauen kannte man offenbar auch schon in früheren Zeiten. Das Wort jedenfalls war in seiner Verbform bereits im Althochdeutschen präsent: sih fertruen. […] In der mittelhochdeutschen Periode kam es am häufigsten in der Bedeutung »verloben, vermählen« vor; nach 1700 ist dieser Gebrauch nur noch vereinzelt nachweisbar. Im Oberdeutschen konnte »vertrauen« auch »zutrauen« bedeuten: »Nun het ich das meiner frauen nicht vertrauet, dasz sie het andere mann zu ir ligen lassen«, las man 1558 in Michael Lindeners Rastbüchleins

Transitives personales Vertrauen – die »übliche« Form – trat oft präpositional auf: Man vertraute in oder auf oder zu jemand, und man vertraute jemandem etwas an – im höchsten Fall sich selber, das eigene Leben, die eigene Wohlfahrt und Sicherheit. Seit dem 18. Jahrhundert häuften sich reflexive Wendungen. Goethes Mephistopheles sprach dem »kleinmütigen« Faust Mut zu und riet zu mehr Selbstvertrauen: »Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben«. »Man vertraut in die eigenen Kräfte«, hieß es 1840 in Bettina von Arnims »Günderrode«. Zugleich kam der Ausdruck »sich vertrauen mit etwas oder jemandem« in Mode; Johann Heinrich Campe prägte 1811 den Begriff »vertraulichen« im Sinne von »familiarisieren«, »vertraut machen« oder »vertraut werden«. Das Partizip »vertraut« stand seit dem Übergang zur neuhochdeutschen Periode als selbständiges Adjektiv oder Adverb-, es bedeutete zunächst so viel wie beherzt oder zuversichtlich, später vor allem zuverlässig, aber auch zutraulich und vertraulich bis hin zu heimlich und geheim.

Ungefähr zur selben Zeit tauchte das Substantiv »Vertrauen« auf: Der aktive Vorgang, den das Verb benannte, wurde nominal – und damit theoriefähig. Vertrauen besaß, wie Johann Christoph Adelung 1801 bestätigte, sowohl eine Erfahrungs- als auch eine Erwartungskomponente; der Begriff meinte die »Handlung des Vertrauens« ebenso wie die »Erwartung«, dass jemand an meiner »Sicherheit« und »Wohlfahrt« interessiert sei. Bereits aus dem frühen 16. Jahrhundert sind die Ausdrücke »Vertrauen setzen« oder »Vertrauen haben« überliefert. »Vertrauen« übersetzte die lateinischen Begriffe (con-)fidentia, fiducia und fides. So wie jene in ihrer Bedeutung changierten, umgab sich auch das deutsche Wort mit einer Reihe von Trabanten, die sich in Nuancen von ihm unterschieden. Martin Luther trennte zwischen »rechtem Glauben« und »fest Vertrauen«, sah beide gleichwohl eng aufeinander verwiesen. »Das Vertrauen«, definierte Christian Wolff 1721, »ist ein hoher Grad der Hoffnung«. In Adelungs Wörterbuch bezeichnete es einen »höhem Grad der Erwartung« als Hoffnung, aber einen schwächeren als Zuversicht.

Auf was sich Vertrauen jeweils bezog, in welchen Kontexten es auftrat und wie es sich von anderen, benachbarten Begriffen abgrenzte, lässt sich anhand zeitgenössischer Lexika erschließen. Als Nomen fand es problemlos Eingang in die enzyklopädischen Nachschlagewerke, die seit dem 18. Jahrhundert in großer Zahl veröffentlicht wurden. Den Anfang machte im deutschen Sprachraum das Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste von Johann Heinrich Zedler. Unter dem Lemma »Vertrauen« folgten 1746 vierzehn Spalten Text, von denen sich zwölf mit dem Vertrauen auf Gott befassten. Für den Autor war dies die grundsätzlichste Form des Vertrauens, dessen »Hauptnutzen« er darin sah, »daß der Mensch dadurch der übrigen und unnöthigen Sorgen überhoben wird«. Mit dieser Lesart stand er deutlich in der Tradition Luthers, der das Gottvertrauen autoritativ als einzig legitime Form gelten ließ und alles andere als »Abgötterey« qualifizierte. […]

Gleichwohl fand auch das Vertrauen zu anderen Menschen lexikalische Erwähnung, wenn auch in weit geringerem Umfang. Zedler behandelte es gleichsam contre Coeur; er führte nur eine soziale Vertrauensbeziehung an, der er ungeteilt zustimmen konnte: die des Patienten zu seinem Arzt. Sie fördere den Heilerfolg und sei deshalb für beide Parteien von Vorteil. Andere Nachschlagewerke waren inklusiver und wiesen etwa dem Vertrauen zu und unter Kaufleuten große Bedeutung zu. Einem Kaufmann, der »Vertrauen« oder »Credit« besaß, überließ man sein Geld in derErwartung, dass es bei ihm sicher sei. »Dieser Mensch hat kein Vertrauen« hieß 1810 das gleiche wie »cet komme là n'a point de crédit«. Ein solcher Geschäftsmann meldete am besten sogleich Konkurs an, denn das Vertrauen seiner Kunden und Anleger war sein bestes Kapital: »Der Kaufmann hat Vertrauen bei Anderen nöthig«. Wenn er es durch Unaufrichtigkeit oder Fehlkalkulationen verspielte, sah es schlimm für ihn aus.

Lexikonfähig war zudem das Vertrauen, das Soldaten ihrem Feldherrn entgegenbrachten. Es gründete in seiner Erfahrung und »Kriegsgeschicklichkeit« sowie in der Erwartung, »daß er sie nicht nutzlos opfert und zu Siegen führt«. Ähnlich wie beim ArztPatient-Verhältnis ging es hier um Fragen von Leben und Tod; eine falsche Entscheidung des Offiziers kostete viele seiner Mannen das Leben. Ihr Vertrauen zu ihm machte sie überhaupt erst kampffähig und trug, ähnlich wie bei der medizinischen »Cur«, entscheidend zum Erfolg des militärischen Unternehmens bei. […] In Krugs Lexikon zog das Gottvertrauen im übrigen weit weniger Aufmerksamkeit auf sich als noch bei Zedler. Auch über das Vertrauen zu Menschen, das er »Andervertrauen« taufte, ging der Autor rasch hinweg, um sich ausführlicher mit jener Form des Vertrauens zu beschäftigen, die bei Zedler noch keinerlei Erwähnung gefunden hatte: das »Selbvertrauen«. Krug widmete ihm eine ausgewogene Erörterung. Der Mensch, der sich auf seine eigene Kraft und sein Glück verlasse, sei »an sich nicht zu tadeln«. Sein Selbstvertrauen sei vielmehr »oft nothwendig zu großen Unternehmungen«. Allerdings dürfe es nicht zu stark sein und seinen Träger »übermüthig und verwegen« machen. Sonst ergehe es ihm wie Napoleon, der »seiner Macht und Klugheit oder auch seinem Glücke zu sehr vertrauete«. Krug empfahl folglich, das unabdingbare Selbstvertrauen durch »ein weises Mistrauen in uns selbst« zu mäßigen.

Dass Eheleute vertrauensvoll miteinander umgingen, schien ebenso selbstverständlich wie das Vertrauen zu ihren Kindern und vice versa, von den Beziehungen der Geschwister ganz zu schweigen. Definierte man Vertrauen, wie es Adelung 1801 tat, als »die feste Erwartung eines Guten von jemandem«, bot die Familie die sicherste Gewähr, jenes Gute auch wirklich zu erlangen. In Verhältnissen, die, wie es die bürgerliche Moral wollte, auf gegenseitiger Liebe gründeten, galt Vertrauen als gleichsam inbegriffen. Liebe ohne Vertrauen war schlicht undenkbar – umgekehrt aber konnte Vertrauen durchaus ohne Liebe bestehen.

Neben der Familie identifizierten Lexikonautoren eine weitere Beziehung, in der Vertrauen eine große Rolle spielte und sich zudem relativ leicht einstellte. Es war die Freundschaft, zumeist, wie den Beispielen zu entnehmen ist, die Freundschaft zwischen zwei Männern. Sie hegten einen »vertraulichen« Umgang miteinander, vertrauten einander, im Bewusstsein gegenseitigen »Wohlwollens«, die intimsten Geheimnisse an und verpflichteten sich zu unbedingter Aufrichtigkeit. Den Beweis »völligen Vertrauens« unter Freunden erblickte Immanuel Kant 1797 »in wechselseitiger Eröffnung ihrer geheimen Urtheile und Empfindungen, so weit sie mit beiderseitiger Achtung gegen einander bestehen kann«. Sich auf diese Weise »vertraulich machen« übersetzte Campe 1811 als »familiarisieren«-, die Vertraulichkeit, die zwischen Freunden bestand, rückte damit nah an die durch liebevolles Vertrauen gekennzeichneten Beziehungen von Familienangehörigen heran. Der vertraute Freund gehörte gewissermaßen zur Familie hinzu, pflegte zugleich aber ein besonderes, exklusives Vertrauensverhältnis zu einem ihrer (männlichen) Mitglieder.

Zweifellos konnten auch Frauen Freundschaften schließen und vertrauensvolle Beziehungen eingehen; Literatur und Geschichte liefern dafür zahlreiche Beispiele. Die Lexika jedoch schwiegen sich darüber aus – es war entweder selbstverständlich oder nicht wichtig genug. Als problematisch galt hingegen eine zu vertrauliche Beziehung zwischen Frauen und Männern. Vertrauen hatte Grenzen, die sowohl zwischen sozialen Ständen als auch zwischen den Geschlechtern verliefen und nicht straflos überschritten werden durften. Ein »zu hoher Grad des Vertrauens in den Mittheilungen und im Umgange besonders bei Personen zweierlei Geschlechts, wo die nöthige Zurückhaltung und wol gar Sittsamkeit und Schamhaftigkeit mangelt«, zog unweigerlich, wie Campe zu berichten wusste, die Kritik der Umwelt auf sich. So bedingungslos sich Freunde und Freundinnen aufeinander einlassen konnten, so schnell sahen sich ein Mann und eine Frau, die einander vertraut-vertraulich begegneten, dem Verdacht des Unschicklichen ausgesetzt. Da Ehr- und Sittlichkeitsnormen geschlechterspezifisch variierten, erntete in solchen Fällen nicht der Mann, sondern die Frau den Tadel.