Philosophische Soiree an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt Einem Ausspruch des alten Aristoteles zufolge seien die Götter deswegen so ausnahmslos glücklich, weil sie unablässig philosophierten. Voilà, auch in diesem Sommersemester können die StudentInnen der
Hochschule es ihnen nachtun und jeweils am Montagabend mit dem Philosophen Peter Vollbrecht vom Philosophischen Forum Esslingen diskutieren, kreuz und quer durch den Themengarten. Ein einladender Vortrag eröffnet den
Abend, es bleibt genügend Raum zum Austausch untereinander und mit den weitgefächerten Traditionen der Ideengeschichte. Eine Textsammlung zur Vorbereitung auf die jeweiligen Abende ist abrufbar hier oder
klicken Sien auf die jeweiligen Überschriften:
Die Themen im Einzelnen, Beginn jeweils 18 Uhr:
20. April 2009 Vertrauen
Nicht nur den jüngste Finanzcrash bringt es an den Tag: Vertrauen ist ein eminent wichtiges Klima im sozialen Verkehr, sogar auf dem kühlen Parkett der Börse. Doch ursprünglich bildet es
zwischenmenschliche Wärme aus in Beziehungen sich näherstehender Personen. Denkt man näher über das Gefühl des Vertrauens nach, dann gelangt man sehr schnell in tiefere Zonen des Selbstseins: wie steht es um das
Urvertrauen? Ist Vertrauen erlernbar? Wie durchkreuzt die Angst das Vertrauen, ist Freiheit und Gelassenheit eine
Wurzel des Vertrauens? Wie immer versammelt Peter Vollbrecht zum Thema Stimmen aus Philosophie, Psychologie und Literatur. Mit diesem Thema setzen wir unseren Rundgang durch die Klimakammer von Gemüt und Seele fort.
4. Mai 2009 Globalisierung Mit dem ökonomischen Aufstieg wichtiger Schwellenländer insbesondere in Asien ist die Weltzivilisation in das
Zeitalter der Globalisierung eingetreten. Das hat Ängste erzeugt, aber auch Hoffnungen zirkulieren lassen. Ist die
Globalisierung eine neue Zündstufe des Turbo-Kapitalismus, der mit dem Überschreiten nationaler Grenzen auch jede Bindung an Anstand und Verantwortlichkeit abgeschüttelt hat? Oder birgt die Globalisierung ein
Gerechtigkeitspotential für die sich entwickelnden Volkswirtschaften? Ist die Globalisierung die wirtschaftliche
Voraussetzung einer Welt-Zivilgesellschaft, wiederholt sich das bürgerliche Zeitalter des 19. Jahrhunderts nun auf allergrößter Bühne und stellt uns die Herausforderung einer globalisierten Ethik?
25. Mai 2009 Gerechtigkeit
Philosophie, so meinte Jürgen Habermas einmal, habe heute nur noch eine einzige Aufgabe: ihre Stimme für die Gerechtigkeit zu erheben.
Nehmen wir diese Aufforderung an und denken wir an diesem Abend gemeinsam über Gerechtigkeit nach. Seit
Anbeginn an hat die Gerechtigkeit die Menschen beschäftigt, und so lohnt ein kurzer Blick auf die weltgeschichtliche
Karriere dieser Idee. Sie beginnt im alten Ägypten und endet in den derzeit lebhaft diskutierten Modellen globaler Gerechtigkeit.
Die Idee der Gerechtigkeit wird zukünftig die reicheren Nationen vor besondere Herausforderungen stellen. Sie fordert uns die Bereitschaft ab, mit den anderen zu teilen.
Gerechtigkeit – sie wird einer der ethischen Schlüsselbegriffe dieses Jahrhunderts werden. Diskutieren wir ihn klaren Kopfes, bevor die Lobbyisten der Macht ihn für ihre Zwecke mißbrauchen. 15. Juni 2009 Was ist Wahrheit?
Die Frage nach der Wahrheit stellt sich in fast jeder Diskussion. Die klassische Antwort: Wahrheit sei die Übereinstimmung von Aussage und Sache. Aber ist Wahrheit nur Aussagenwahrheit? Und: woran erkennen wir, ob
unsere Erkenntnisse mit der Sache übereinstimmen? Nur in sehr eindeutigen Fällen kann hier nicht weiter gestritten werden. Die Dinge liegen also komplizierter, als es den Anschein hat.
Wir wenden uns deshalb an zwei amerikanische Denker, die das Problem pragmatisch angehen. Richard Rorty und William James, der eine ein Denker des frühen, der andere des späten 20. Jahrhunderts, stellen die These auf,
Wahrheiten müssten nützlich sein. Damit räumen sie die großen metaphysischen Fragen nach einer ‚letzten‘ Wahrheit
ab und konzentrieren sich auf die menschliche Praxis. Die Wahrheitsansprüche all unserer Erkenntnisse müssten den
Interessen des Lebens folgen. Das Wahre, Gute und Schöne, - im amerikanischen Pragmatismus wird das kleiner
geschrieben. Vielleicht keine schlechte Verschlankungskur für das überanspruchsvolle kontinentaleuropäische Denken?
6. Juli 2009 Buddhismus
Der Buddhismus ist die wandlungsfähigste aller Weltreligionen. Seit zweieinhalbtausend Jahren passt er sich immer
veränderten historischen wie kulturellen Verhältnissen an, ohne seine Identität zu verlieren. Allen seinen Richtungen
aber liegt jene tiefe Stille zugrunde, die in unsere Seele einströmt, wenn wir innehalten im Lärm der Welt, wenn wir -
und sei es nur für einen kurzen Moment - heraustreten aus der Zeit. Ein kurzer Abend kann dies nicht leisten. Wir
konzentrieren uns deshalb auf die Vier Edlen Wahrheiten – Kernstück aller buddhistischen Richtungen vom frühen
Theravada bis hin zum tibetischen Buddhismus. Sie sprechen die grundlegenden buddhistischen Überzeugungen aus
von der Wiedergeburt, vom Leid, vom karma, von Person und Selbst, von Erleuchtung und Nirvana. An diesem Abend
kommen auch Lernerfahrungen zur Sprache, die Peter Vollbrecht an zwei buddhistischen Instituten gemacht hat: an der buddhistischen Universität Perendinaye auf Sri Lanka und am Institute for Buddhist Dialectics
im Tempelkomplex des Dalai Lama in Dharamsala, Indien.
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