Das Urfeuer der Literatur.
Auf den Spuren Franz Kafkas

 

 

Prag
15.– 20. August 2020Kafka-Denkmal Prag

„Hier war mein Gymnasium, dort in dem Gebäude, das herübersieht, die Universität, und ein Stückchen weiter links hin mein Büro. In diesem kleinen Kreis ist mein ganzes Leben eingeschlossen.“ – Wie konnte aus solcher Enge eine Weltliteratur entstehen, die – deutschsprachig – im 20. Jahrhundert nicht ihresgleichen findet? Wir gehen dieser Frage nach und schreiten die Prager Wege Franz Kafkas ab. Wir lassen uns die Originalschauplätze von Kafkas Tagebuchaufzeichnungen und Briefen kommentieren. Wir lesen mit aufmerksamen Augen seine Meistererzählungen und führen interpretierende Gespräche über Kernstellen seiner Romanfragmente. Wie lebte Kafka in einer Welt ohne Vertrauen? „Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht“ – klingt Kafkas Satz aus dem Prozeß-Roman nicht bedrückend aktuell? Zerrissen war er zwischen Broterwerb und literarischer Besessenheit, er schrieb nächtens und auf Reisen, und tagsüber ging er einem bürokratischen Job bei einer Versicherungsgesellschaft nach. Kafka gelang es, seine Doppelexistenz in seinen literarischen Texten kenntlich unkenntlich zu machen und einen nicht endenden Schweif von Interpreten hinter sich her zu ziehen. Sie alle setzen ihre Akzente, sagen Richtiges unzulänglich und schöpfen Kafkas Werk nur in Tropfen aus. Auch uns ergeht es nicht anders, und wie alle, die sich mit ihm beschäftigen – Komponisten, Theatermacher, Filmregisseure und bildende Künstler – inspirieren auf dieser philosophischen Reise seine Visionen.

Das Seminar: Was zeichnet große Literatur aus? Wir nehmen uns zur Antwort darauf eine mehrtägige philosophische Auszeit und tauchen tief hinein in Kafkas rätselhafte Erzählungen. Exemplarisch studieren wir einige von ihnen mit genauem Auge (Das Urteil, Die Verwandlung, In der Strafkolonie, Vor dem Gesetz und andere kleine Meisterwerke, nicht zuletzt den psychologisch aufschlussreichen Brief an den Vater). Aber auch Kafkas drei Romanfragmente kommen in Schlüsselkapiteln (und Verfilmungen) zu Wort – sorgfältig bereite ich Ihnen dazu die Kontexte auf. Immer tiefer dringen wir in Kafkas literarischen Kosmos ein, wo die Figuren sich verlieren in einer ‚unheimeligen‘ Welt ohne Vertrauen. Kafkas Erzählkunst erzeugt dabei einen Sog, dem sich kein Leser und keine Leserin entziehen können und vor dessen abgründigen Tiefen allein das verbindende Gespräch schützt. Kafka inszeniert einsame Welten, um vielleicht – wer kann es mit Sicherheit sagen?, aber eine Option ist es dennoch! – Gemeinschaft zu stiften. Literarisch ist ihm das auf jeden Fall gelungen, davon zeugen alle Bühnenfassungen, Opern, Ballettaufführungen und musikalische Szenen, die sich von Kafkas Welt inspirieren ließen.

Gruppengröße: 12 – 20 Personen.

Exkursionen: Örtliche Führung zu „Das jüdische Prag“ und „Kafka in Prag“ (jeweils 2 Stunden), Besuch des Kafka-Museums, Besichtigungen von Kafkas Prager Lebensstationen. Optional: Magisches Theater, Konzert und Museen.

Anreise: individuell. (IC-Bus günstig ab Nürnberg, Leipzig, Mannheim).

Kosten: fünf Übernachtungen/Halbpension im Falkensteiner Hotel Maria Prag****, Kaffee-/Teepausen, Seminar, Skript, Ausflüge laut Programm, im DZ € 1450, EZ-Zuschlag € 250.

Ausführliches Programm und Anmeldung:

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Peter Vollbrecht