Philosophisches Forum
Praxis für Kulturphilosophie
Peter Vollbrecht

Philosophische Cafés
Saison 2011/2012                                                     Themenbeschreibungen

 

 

Die Kunst des Verstehens:
Über Hans Georg Gadamer
                                                                                   Mannheim, 25. September 2011, 11.00 Uhr
                                                                                                                         Esslingen, 27. September 2011, 19.30 Uhr

      Der Heidelberger Philosoph Hans Georg Gadamer war ein wirklicher Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1900 geboren und starb hochbetagt mit 102 Jahren.

      Mit seinem Hauptwerk Wahrheit und Methode hatte er das Standardwerk der modernen Hermeneutik, der Lehre des Verstehens, geschrieben. Sein Lebenswerk kreist um die Einsicht, dass die Grunddimension des Menschlichen das Verstehen ist. Doch was heißt ‘Verstehen’, und wie ereignet es sich? An ausgewählten Kernstellen seines Hauptwerkes verfolgen wir die Antworten, die Gadamer zu geben versucht. Dabei geht es um die großen Fragen: um die Geschichtlichkeit des Sinns, um die Bedeutung der Tradition, um die Position des Menschen im Geflecht der kommunikativen Welten.

      Im zweiten Teil des Abends wartet ein besonderer Höhepunkt auf uns: wir werden Zeuge, wie Gadamer seine Lehre vom Verstehen am konkreten Fall anwendet: in einer Interpretation eines Gedichtes von Paul Celan.

       

 

Die zweite Schöpfung:
Der Mensch als kulturschaffendes Wesen
                                                                           
Esslingen, 18. Oktober 2011, 19.39 Uhr
                                                                                                                         Mannheim, 23. Oktober 2011, 11.00 Uhr
                                                                                                                         Schwäbisch Gmünd, 29. November 2011, 19.00 Uhr

      Mit dem Auftritt des Menschen auf der Bühne der Evolution eignete sich alsbald eine zweite Schöpfung: es entstand die Welt der Kultur. Die Natur des Menschen sei es, ein Kulturwesen zu sein, so meinte Arnold Gehlen, eine der modernen Stimmen dieses Abends, ohne Kultur könne er nicht überleben in der Wildbahn der Natur. Wir versuchen an diesem Abend eine kleine Kulturgeschichte der Kultur, beginnend bei den alten Griechen, die meinten, nur sie allein hätten Kultur. Auch die prominenten Aufklärer Kant und Voltaire hielten die größten Stücke auf die europäische Zivilisation, doch in einer Seitenströmung kündigten sich schon damals mit Rousseau und später dann mit Oswald Spengler zivilisationsskeptische Stimmen an. Schließlich werfen wir auch noch einen abschließenden Blick auf die moderne Ethnologie unserer Tage und diskutieren so kontroverse Fragen wie die der multikulturellen Gesellschaft.

       

 

“Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.”
Ludwig Wittgenstein und die Philosophie der Sprache
                                             Heilbronn, 23. November 2011, 19.30 Uhr

      Das Denken im zwanzigsten Jahrhundert richtete sich ganz entscheidend auf die Frage, was uns die Sprache zu denken erlaubt. „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, meinte Ludwig Wittgenstein, der maßgeblichen Anteil am sogenannten linguistic turn der Philosophie hatte. Er war ein ganz und gar unkonventioneller und denkbesessener Kopf, der in seiner ersten Phase gemeint hatte, alle philosophischen Probleme gelöst zu haben und der sich konsequenterweise aus der Philosophie zurückzog in die pädagogische Provinz einer österreichischen Volksschule. Der dann in seiner zweiten Phase komplett widerrief, was er in seiner ersten gedacht hatte. Wir studieren an diesem Abend einige der Grundüberlegungen dieses faszinierenden Mannes, der aus steinreicher Familie stammend sein gesamtes Vermögen verschenkt hatte und der auch philosophisch für manche Überraschung gesorgt hatte.

 

 

Der Wert des Lebens oder:
Dürfen wir Tiere essen und mit Embryonen experimentieren?
Über die kontroversen Thesen des australischen Philosophen Peter Singer
                 
Mannheim, 27. November 2011, 11.00 Uhr

      Der australische Philosoph Peter Singer eckt überall an mit seinen radikalen moralphilosophischen Thesen. Zum einen hat er sich umfassend für die Tierrechtsbewegung eingesetzt und dafür votiert, dass Tiere ähnlich starke Interessen haben wie Menschen. Moralisch verwerflich also sei die heutige Fleischproduktion. Dann wiederum steht er den neuen Möglichkeiten positiv und aufgeschlossen gegenüber, die sich der Menschheit durch die Gentechnologie eröffnen. Das menschliche Leben sei nicht heilig, erklärt er, es liege bei uns Menschen, die Qualität des Lebens zu bewerten und gegebenenfalls die medizinischen Apparaturen abzustellen, um ein Leben vom seinem Leiden zu erlösen. Kein Wunder, dass Peter Singer mit solchen Thesen öffentliche Erregung hervorgerufen hat, - bis zum Redeverbot!

 

 

Die biologischen Grundlagen unseres Geistes:
Einführung in die Neurophilosophie                                                                                       
Esslingen, 17. Januar 2011, 19.30 Uhr
                                                                                                                         Nürnberg, 20. Januar 2012
                                                                                                                         Mannheim, 22. Januar 2012, 11.00 Uhr
                                                                                                                         Schwäbisch Gmünd, 24. Januar 2011, 19.00 Uhr

      Die Naturwissenschaften der Gegenwart lassen die Philosophie nicht unberührt, denn sie brechen ein das klassische Terrain der Geisteswissenschaften. Und dort beantworten sie ebenso klassische Fragen wie die nach der Natur unseres Bewusstseins. Die Neurobiologie beschreitet dabei einen aufregenden Weg, denn sie erklärt, wie aus der Evolution von Zellverbänden selbstorganisierende Systeme entstehen. Ein solches, wiederum hochentwickeltes System ist der menschliche Geist, dessen Erkenntnisleistungen neue soziale Welten entstehen lassen, - ein Prozess, dessen Entwicklungsmöglichkeiten noch gar nicht absehbar sind. Was ist die Zukunft des Menschen?

      Peter Vollbrecht führt Sie an diesem Abend ein in die neue Welt der Neurophilosophie mit ihren derzeit herausragenden Vertretern Thomas Metzinger, Michael Pauen, Gerhard Roth und Daniel Dennett. Wie verändert die neurobiologische Sicht auf die natürlichen Grundlagen des Geistes unser menschliches Selbstverständnis?

       

 

Carl Friedrich von Weizsäcker:
Physik und Transzendenz                                                                                                        
Nürnberg, 17. Februar 2012, 19.30 Uhr
                                                                                                                          Mannheim, 26. Februar 2012, 11.00 Uhr

      Carl Friedrich von Weizsäcker ist eine Wissenschaftslegende. Er begegnete in frühen Jahren den Quantenphysikern Werner Heisenberg und Niels Bohr und verschrieb sich zunächst voll und ganz der neuen Physik, die den zwanziger und dreißiger Jahren entstand. Seine Mitwirkung am deutschen Uranprojekt während des Zweiten Weltkrieges veränderte aber seinen Blickwinkel ganz entscheidend auf philosophische Fragestellungen wie die nach dem Wesen der Wahrheit und der gesellschaftlichen Verantwortung des Wissenschaftlers. Außerdem umtrieb ihn das ganze Leben lang das Verhältnis von Religiosität und wissenschaftlicher Rationalität. Sehen wir ihm einen Kronzeugen dafür, dass die moderne Wissenschaft sich den philosophischen Fragen wieder öffnet. Allerdings muss die Philosophie auch mit naturwissenschaftlichen Kompetenzen aufwarten, um den heute nötigen Dialog mit den treibenden zivilisatorischen Kräften leisten zu können. Ein philosophisches Café, das sich gegen die Entfremdung zweier Kulturen stemmen möchte…

 

 

„Die Sprache ist das Haus des Seins“.
Cassirer, Heidegger und Wittgenstein
                                                                   Nürnberg, 16. März 2012, 19.30 Uhr
                                                                                                                         Mannheim, 18. März 2012, 11.00 Uhr

      Das zwanzigste Jahrhundert ist, philosophisch gesehen, die Epoche der Sprachphilosophie gewesen. Leitend dabei die Einsicht, dass unser Dasein vorrangig in der Sprache beheimatet ist. In ihr sedimentieren sich nicht nur die Erfahrungen einer Gemeinschaft, sondern einer generationenübergreifenden Tradition. Drei Philosophen des letzten Jahrhunderts setzten dabei jeweils verschiedene Akzente: Ernst Cassirer, in der Denktradition der Kulturphilosophie stehend, bestimmt den Menschen als ein Wesen, das in symbolischen Welten lebt, und er spannt einen weiten Bogen vom Mythos über die Religion, die Kunst, die Wissenschaft und die Technik. Martin Heidegger wendet den Blick auf das Sprachkunstwerk und erwartet von den Dichtern die wesentlichsten Impulse für die künftige Weltverständigung. Wittgenstein schließlich konzentriert sich auf die normale Alltagssprache. Sie helfe uns dabei, Auswege aus den Sackgassen des Denkens zu finden: „Was ist dein Ziel in der Philosophie? - Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“

 

 

Kritik der Macht:
Michel Foucault
                                                                                                                       Mannheim, 15. April 2012, 11 Uhr

        Kein anderer Philosoph hatte in Frankreich nach Jean Paul Sartre einen solchen Einfluss wie der 1984 verstorbene Michel Foucault. Er spürte den subtilen Machtstrukturen nach, die sich nicht nur in der Sprache etabliert haben, sondern – man höre und staune! – auch im Gebäude des menschlichen Wissens. Wie kommt es, dass ein Gedanke, eine Erkenntnis oder eine Vision nur zu bestimmten Zeiten sich durchsetzen kann?, fragte er. Wo liegen die Institutionen der Zensur, die das Geistige unterdrücken? Foucault stieß dabei auf die wesentlichen Grenzziehungen, die das kulturelle Gespräch beherrschen und kontrollieren: Normalität und Wahnsinn, Freiheit und Strafe, Rassismus und Bio-Politik, Krankheit und Medizin, sexuelles Begehren und gesellschaftlich abweichende Orientierungen. Dabei verstand Foucault sich als ein Archäologe des Wissens, der den ‚Willen zum Wissen‘ auf dessen ‚Willen zur Macht‘ hinterfragt. Eine ungewöhnliche Gesellschaftskritik wartet auf Sie – oder haben Sie selbst gar manches davon schon gedacht oder empfunden?

 

 

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